Prachtlibellen
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)
Als typische Fließgewässerart ist die Gebänderte Prachtlibelle auf Industriebrachen nur als Gast einzustufen und zählt nicht zum typischen Artenspektrum. Es liegt bisher nur ein Zufallsfund von einem Gewässer in direkter Nähe des Dortmund-Ems-Kanals vor.Binsenjungfern
Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus)
Diese Binsenjungfernart profitiert insbesondere von den auf Industriebrachen häufig vorkommenden temporären Gewässern im mittleren Sukzessionsstadium. Dort kommt sie im Vergleich zum gesamten Ruhrgebiet überdurchschnittlich häufig vor, oft auch mit kleinen bis sehr großen bodenständigen Populationen.
Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas)
Von der Glänzenden Binsenjungfer gibt es im Ruhrgebiet nur einzelne Nachweise. Eine kleine bodenständige Population ist vom Waldteichgelände bekannt, wo sie zusammen mit den anderen hier genannten Lestiden vorkommt.
Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa)
Sie ist nach der Weidenjungfer die häufigste Lestide und ist auch im Ruhrgebiet an geeigneten Gewässern nicht selten. Sie kommt auf Industriebrachen vor allem an Gewässern mit einer hohen Vegetationsdeckung vor und pflanzt sich – als einzige Binsenjungfer – auch in einem Becken der Kokerei Hansa fort.
Kleine Binsenjungfer (Lestes virens)
Vor dieser Art sind aus dem Ruhrgebiet sehr wenige Funde bekannt. Auf Industriebrachen liegen drei Nachweise vor, davon eine seit mehreren Jahren bodenständige Population mit mehr als 100 Individuen auf dem Waldteichgelände. Hier profitiert die Art besonders, ebenso wie die Südliche Binsenjungfer, von der temporären Wasserführung und der Vegetationsstruktur.
Weidenjungfer (Lestes viridis)
Diese Art, die ihre Eier in Weichhölzer im Uferbereich ablegt, ist überall häufig, wo sie geeignete Vegetationsstrukturen vorfindet. Auch an zwei vegetationsfreien Becken wurden Exuvien der Weidenjungfer gefunden – einmal am einseitig von Gehölzen umgebenen Becken der Kokerei Zollverein und einmal an einem Beckenkomplex im Landschaftspark Duisburg-Nord, wo nur ein junger Weidenzweig in der Beckenwand wuchs.
Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)
Bis vor wenigen Jahren galt die Winterlibelle, die als einzige heimische Libellenart als voll entwickeltes Insekt überwintert, im Ruhrgebiet als verschollen. Mittlerweile tritt sie wieder häufiger auf und lässt sich auch auf Industriebrachen bevorzugt an temporären Gewässern im mitteren Sukzessionsstadium antreffen. Die sich schnell erwärmenden Flachgewässer begünstigen die schnelle Entwicklung der Larven.
Federlibellen
Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes)
Die besonders in den Flussniederungen vorkommende Art gehört nicht zur typischen Libellenfauna auf Industriebrachen. Trotzdem kommt sie in großer Zahl am Kleinweiher auf der ehemaligen Halde Alstaden vor, der aber in direkter Nähe zur Ruhr liegt. Einzeltiere wurden auch an einem sich ebenfalls im fortgeschrittenen Sukzessionsstadium befindlichen Kleinweiher am Fuß der Halde Großes Holz angetroffen.
Schlanklibellen
Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella)
Die Hufeisen-Azurjungfer ist weit verbreitet und eine der häufigsten Arten auf Industriebrachen. Sie besiedelt ein weites Spektrum an Gewässern, meidet aber in der Regel vegetationfreie Becken und Tümpel ohne typische Gewässervegetation.
Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum)
Von dieser im Ruhrgebiet seltenen Art gibt es nur einen Einzelfund an einem Kleingewässer nahe des Dortmund-Ems-Kanals. Sie ist demnach auf Industriebrachen nur als Gastart einzustufen. Das beobachtete Tier stammt wahrscheinlich aus einen angrenzenden Naturschutzgebiet.
Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)
Diese verbreitete Art ist besonders auf Industriebrachen mit Flachgewässern, die von Röhrichtgürteln gesäumt sind und freie Wasserflächen aufweisen, regelmäßig anzutreffen. Auf der Halde Großes Holz existiert an zwei Gewässern eine Population mit mehreren hundert Individuen.
Pokaljungfer (Erythromma lindenii)
Ähnlich der Blauen Federlibelle gibt es zwar ein größeres bodenständiges Vorkommen dieser Art an einem Industriebrachengewässer, doch gehört sie nicht zur typischen Fauna. Die besagten Tiere entstammen einer großen Population in einem benachbarten Gewässer. Bei einer weiteren Einzelbeobachtung am Kleinweiher Alstaden handelt es sich wahrscheinlich um eine Zufallsbeobachtung.
Großes Granatauge (Erythromma najas)
Das Große Granatauge ist im Gegensatz zum Kleinen eher selten im Ruhrgebiet anzutreffen – ebenso auf Industriebrachen. Es gibt nur einen Exuvienfund vom Kleinweiher Alstaden.
Kleines Granatauge (Erythromma viridulum)
Das Kleine Granatauge tritt seit einiger Zeit vermehrt im Ruhrgebiet auf. Es kommt an zahlreichen Gewässern mit ausgeprägter Submersvegetation auf Industriebrachen vor. An Gewässern im fortgeschrittenen Sukzessionsstadium sind die Individuenzahlen oft hoch, aber auch an einem Pioniergewässer (Halde Rheinelbe) war die Art bodenständig und am Klärschlammbecken der Kokerei Hansa wurden mehrere Tandems und Paarungsräder beobachtet. Am einem vegetationsfreien Becken wurde einmal ein Tandem gesichtet.
Große Pechlibelle (Ischnura elegans)
Sie ist die häufigste Kleinlibelle und ist an sämtlichen Gewässern anzutreffen. Bei schlechter Witterung war sie oftmals die einzige aktive Libellenart. Allerdings lagen nur von zwei Dritteln der untersuchten Gewässer sichere Entwicklungsnachweise vor – weniger als bei der ähnlich häufigen Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum).
Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio)
Diese Pionierlibelle ist im Ruhrgebiet selten und tritt aufgrund des Vorhandenseins geeigneter Gewässer auf Industriebrachen überdurchschnittlich häufig auf. Mehrere Vorkommen waren bodenständig, auf der Halde Ellinghausen existierte eine größere Population von etwa 50 Individuen, die sich 2006 auch in 2. Generation fortpflanzte.
Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)
Diese sehr früh im Jahr auftretende Kleinlibelle ist auch auf Industriebrachen verbreitet. Bodenständige Vorkommen gibt es auch aus verschiedenen Becken (mit Vegetation).