Edellibellen
Südliche Mosaikjungfer (Aeshna affinis)
Diese mediterrane Art profitierte im Sommer 2006 von der günstigen Witterung und flog bis in den Norden Deutschlands ein, ebenso wahrscheinlich die am Waldteichgelände angetroffenen Tiere. Auf Industriebrachen ist die Art also nur als Gast einzustufen.
Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)
Die im Ruhrgebiet sehr häufig vorkommende Edellibelle ist auch auf Industriebrachen verbreitet, wird aber seltener angetroffen als die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta). In großer Zahl kommt sie besonders an Gewässern mit Ufergehölzen im fortgeschrittenen Sukzessionsstadium vor. An einigen Becken mit und ohne Vegetation lassen sich Exuvien von ihr finden.
Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)
Trotz Nachweis auf zwei verschiedenen Brachen ist die Torf-Mosaikjungfer nur als Gast einzustufen, da sie die Brachen wohl nur als Jagdhabitat nutzt.
Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta)
Die Herbst-Mosaikjungfer zählt zu den häufigsten Libellenarten auf Industriebrachen und ist an einer Vielzahl von Gewässern anzutreffen. In vielen Gewässern im mittleren bis späten Sukzessionsstadium pflanzt sie sich fort. Auch aus einem Becken der Kokerei Hansa liegen Exuvienfunde vor.
Große Königslibelle (Anax imperator)
Die Königslibelle ist eine charakteristische Art auf Industriebrachen und an nahezu allen Gewässern anzutreffen. Bei permanenter Wasserführung entwickelt sie sich dort regelmäßig. Sie ist auch in der Lage vegetationsfreie Gewässer zu besiedeln und im Klärschlammbecken der Kokerei Hansa existiert eine Population mit mehr als 100 Individuen.
Früher Schilfjäger (Brachtron pratense)
Von dieser Art gibt es im Ruhrgebiet nur wenige Vorkommen. An einem mit Schilf bewachsenen Kleinweiher am Fuß der Halde Großes Holz wird die Art seit einigen Jahren beobachtet und pflanzt sich dort vermutlich auch erfolgreich fort.
Falkenjungfern
Falkenlibelle (Cordulia aenea)
Die Falkenlibelle ist sowohl im Ruhrgebiet als auch auf Industriebrachen selten. Auf der Halde Großes Holz fliegt sie zusammen mit Brachytron pratense und pflanzt sich dort auch nachweislich fort.
Segellibellen
Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)
Diese mediterrane Libellenart tritt seit einigen Jahren auch vermehrt im Ruhrgebiet auf. Auf etwa einem Viertel aller untersuchten Brachen konnte sie meist an Gewässern mit gut ausgeprägter Vegetation angetroffen werden. Am Kleinweiher der ehemaligen Halde Alstaden wurden sogar Jungtiere beobachtet und einige Exuvien gefunden.
Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis)
Für die FFH–Art bietet das Ruhrgebiet kaum geeignete Lebensräume, so dass Nachweise entsprechend selten sind. Am Waldteichgelände konnte bei zwei Begehungen im Juni 2006 je ein Männchen nachgewiesen werden. Der Fortpflanzungsstatus ist ungewiss, wahrscheinlich ist die Art aber als Gastart einzustufen.
Plattbauch (Libellula depressa)
An Gewässern mit offenen Vegetationsstrukturen ist der Plattbauch häufig anzutreffen und zählt zur typischen Fauna der Industriebrachen. Oft können zahlreiche Exvien im Uferbereich sowie an einigen Becken gefunden werden. Neu angelegte Gewässer werden schnell besiedelt, im Verlauf der Sukzession verschwindet die Art wieder.
Vierfleck (Libellula quadrimaculata)
Der weit verbreitete Vierfleck ist eine häufige Art auf Industriebrachen. Er besiedelt vor allem Gewässer mit hoher Vegetationsdeckung. Auch an verschiedenen bewachsenen Becken lassen sich zahlreiche Exuvien dieser Art befinden.
Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum)
Diese wärmeliebende Pionierart tritt im Ruhrgebiet nur vereinzelt auf. An einem neu angelegten Lehmtümpel konnten 2006 mehrere Tiere bei der Eiablage beobachtet werden, verschwanden aber im Folgejahr bereits wieder, da der Pioniercharakter des Gewässers verloren ging. Diese Art kann von Industriebrachen profieren, wenn Gewässer im Pionierstadium vorhanden sind.
Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
Der Große Blaupfeil ist eine charakteristische Art der Industriebrachen und gehört zu den häufigsten dort vorkommenden Arten. Er besiedelt bevorzugt Gewässer früher bis mittlerer Sukzessionsstadien mit offenen Uferstrukturen in großer Zahl. Auch an verschiedenen Becken, besonders der Kokerei Hansa kommt er vor.
Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae)
Diese Heidelibelle wird mittlerweile auf der Vorwarnliste für das Ruhrgebiet geführt. Neben wenigen Einzelnachweisen sind von Industriebrachen zwei bodenständige Vorkommen bekannt, eine davon auf dem Waldteichgelände. Das andere existiert(e) im vegetationslosen Becken der Kokerei Zollverein – hier wurden 2006 am Beckenrand 34 Exuvien gesammelt.
Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum)
Auch diese Art steht mittlerweile auf der Vorwarnliste für den Ballungsraum Ruhrgebiet. Vier bodenständige Vorkommen auf Industriebrachen sind bekannt. Typisch ist sie an temporären Gewässern mit mittlerer bis hoher Vegetationsdeckung.
Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii)
Diese mediterrane Art beginnt seit einiger Zeit sich im Ruhrgebiet zu etablieren. In der Regel fliegen im Frühjahr Tiere aus dem Süden ein und pflanzen sich hier in 2. Generation fort. Mittlerweile sind auch Vorkommen bekannt, wo die Art als Larve hier überwintert und im Frühjahr schlüpft. Neben einem kleinen Vorkommen am Waldteichgelände liegen zwei Exuvienfunde vom Kokereibecken Zollverein vor.
Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
Die allgemein häufig auftretende Libellenart kommt auch auf Industriebrachen regelmäßig vor. Sie besiedelt verschiedene Gewässertypen und besiedelt auch einige Becken mit gut ausgeprägter Vegetation.
Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)
Die im ganzen Ruhrgebiet häufige Art gehört zur typischen Industriebrachenfauna. Sie erweist sich hier als besonders anspruchslos ist in der Lage sämtliche Gewässer zu besiedeln – auch solche, in denen andere Arten sich nicht fortpflanzen wie in den Tümpeln der Sinteranlage mit sehr kurzzeitiger Wasserführung und hohen pH– und Leitfähigkeitswerten. Auch in einem vegetationslosen Beckenkomplex im Landschaftspark Duisburg-Nord wurden zahlreiche Exuvien gefunden.
Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum)
Die Gemeine Heidelibelle kommt zwar auf Industriebrachen regelmäßig vor, ist aber trotz ähnlicher ökologischer Ansprüche deutlich seltener als die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum). Wahrscheinlich profitiert die letztere, wärmebedürftigere Art von den günstigen mikroklimatischen Verhältnissen.