Libellen auf der Kokerei Hansa

30. Juli 2008 - 16:07

Exkur­sion auf der Koke­rei Hansa, 06.07.2008

Mit 16 inter­es­sier­ten Teil­neh­mern mach­ten wir uns auf, die Becken auf der Indus­trie­bra­che mit ihren Libel­len zu erkun­den. Glück­li­cher­weise war das Wet­ter auf unse­rer Seite. Am ehe­ma­li­gen Klär­schlamm­be­cken wurde direkt – noch bevor alle Sta­tive und Foto­ka­me­ras auf­ge­baut waren – die erste Libel­len­art gefun­den: der Große Blaup­feil (Orthe­trum can­cel­la­tum), eine typi­sche Art an Gewäs­sern mit nicht zu dicht gewach­se­ner Ufer­ve­ge­ta­tion. Auch Männ­chen und Weib­chen der Hufeisen-Azurjungfer (Coe­n­ag­rion puella), eine der häu­figs­ten Klein­li­bel­len­ar­ten, haben wir sofort ent­deckt. Von den 14 Libel­len­ar­ten, die in der Ver­gan­gen­heit an die­sem Becken nach­ge­wie­sen wur­den, konnte sonst aber nur noch eine frisch geschlüpfte Große Pech­li­belle (Ischnura ele­gans) ange­trof­fen werden. 

Trotz­dem war es an die­sem Becken ganz inter­es­sant: durch das fla­che, klare Was­ser hatte man eine sehr gute Sicht auf den Becken­grund und die Was­ser­pflan­zen und wir konn­ten meh­rere Lar­ven der Gro­ßen Königs­li­belle (Anax impe­ra­tor) sehen. Eine davon hatte sich sogar frisch gehäu­tet und wir fan­den sie neben ihrer alten Lar­ven­haut sit­zend. Die Lar­ven­häute die­ser Art konn­ten wir am Becken­rand und an den Was­ser­pflan­zen sammeln.

Zwei wei­tere Arten war­te­ten am Lösch­be­cken. Der größte Bereich des Beckens, in dem viele Fische schwim­men, ist für Libel­len nicht geeig­net, da Fische die Lar­ven fres­sen. Aber im Rand­be­reich gibt es abge­trennte Berei­che, die dicht mit Igel­kol­ben oder Schach­tel­halm bewach­se­nen sind. Ver­steckt zwi­schen den Blät­tern des Igel­kol­bens ent­deck­ten wir eine frisch geschlüpfte Blau­grüne Mosa­ik­jung­fer (Aeshna cya­nea), eine große Libelle, die sicher jedem bekannt ist, der einen eige­nen Gar­ten­teich besitzt. Von der Gemei­nen Bin­sen­jung­fer (Les­tes sponsa), eine nicht ganz so häu­fige Art, haben wir Exu­vien und Tiere beim Jung­fern­flug (der erste Flug einer frisch geschlüpf­ten Libelle) gefun­den.

Das größte der drei Becken, das auf dem ehe­ma­li­gen Druck­ma­schi­nengleis liegt, bot noch ein­mal viele Motive zum Foto­gra­fie­ren. Ergän­zend zu den bis­her gese­he­nen Arten saßen hier zahl­rei­che Männ­chen des Gro­ßen Blaup­feils am Becken­rand und es gelang sogar eines der Tiere mit dem Kescher zu fan­gen. So konn­ten alle mal eine Groß­li­belle aus der Nähe betrach­ten. Natür­lich wurde die Libelle danach unver­sehrt wie­der frei gelas­sen. Zeit­weise flo­gen meh­rere Königs­li­bel­len – unsere größte Art – über der Was­ser­flä­che. Einer der sehr aus­dau­ern­den Flie­ger setzte sich dann auf einer Röh­richt­pflanze ab und wir konn­ten schöne Por­trai­t­auf­nah­men von ihm schie­ßen. Exu­vien haben wir hier u. a. vom Blaup­feil und der Gro­ßen Hei­de­li­belle (Sym­pe­trum strio­la­tum) gesammelt.

Mit sie­ben Libel­len­ar­ten war die Aus­beute zwar nicht die Beste – immer­hin konn­ten 16 Libel­len­ar­ten auf der Koke­rei nach­ge­wie­sen wer­den – aber als ers­ter Ein­blick in die „Libel­len­welt” war die Koke­rei sehr gut geeig­net und die Foto­samm­lun­gen konn­ten danach um einige Bil­der ergänzt werden.